Wenn Jugendliche in der Oberstufe plötzlich an Motivation verlieren, hat das oft weniger mit «Unlust» zu tun als mit offenen Fragen: Was kommt nach der Schule? Wo liegen die eigenen Stärken? Und wofür lohnt es sich, dranzubleiben? Genau hier setzt das Pilotprojekt «Out of School» des Laufbahnzentrums Zürich an. Es begleitet Schüler*innen, bei denen die Beziehungen in der Schule zwar stabil sind, der Antrieb fürs Lernen aber spürbar nachlässt. Ein ergänzender Praxistag kann helfen, wieder Selbstwirksamkeit zu erleben – und neue Zuversicht zu gewinnen.

Montags im Einsatz

Einer dieser Jugendlichen ist Emre Sarac. Der 15-Jährige ist Sekundarschüler und seit einiger Zeit jeweils montags bei den Technischen Diensten der BBZ im Einsatz. Er unterstützt bei anfallenden Arbeiten und lernt dabei den Beruf Fachmann Betriebsunterhalt näher kennen. Emre weiss, wie herausfordernd Schule sein kann – und wie wichtig es ist, einen Weg zu finden, der funktioniert: «Ich hatte in der Schule grosse Mühe und oft schlechte Noten. Ich weiss erst seit kurzem, dass ich ADHS habe. Für die Schule kann ich jetzt Medikamente nehmen und es geht viel besser.» Gleichzeitig erlebt er im Arbeitseinsatz etwas, das ihm Struktur, Abwechslung und Erfolgserlebnisse gibt: «Für die Arbeit brauche ich keine Medikamente, hier gibt es genug Abwechslung und ich komme auf meine Kosten.»

Für die BBZ ist dieses Engagement kein Nebenschauplatz. «Soziale Verantwortung gehört für uns einfach dazu», sagt Francis Rodriguez, Leiter der Technischen Dienste. Und er betont: «Lernen findet nicht nur im Klassenzimmer statt.» Seit rund zwei Jahren bietet die BBZ solche Einsatzmöglichkeiten an. «Sie sind ein Gewinn für alle Beteiligten – auch für unser Team», ergänzt er. Umso mehr, wenn Jugendliche so motiviert und neugierig sind wie Emre.

Schritte Richtung Lehrstelle

Was Emre besonders antreibt, ist die Art, wie ihm begegnet wird: «Ich finde das Team super. Alle nehmen mich ernst und erklären mir die Arbeiten gut. Ich habe das Gefühl, dass ich dazugehöre.» Natürlich gibt es auch Routinearbeiten: «Das Jäten und ‹Fötzele› sind etwas langweilig.» Umso schöner, dass es Highlights gibt – bei Emre ist es ein Klassiker: «Ich liebe das Rasenmähen.»

Den Beruf Fachmann Betriebsunterhalt kennt er aus der Familie: Sein älterer Bruder ist bereits im dritten Lehrjahr. Und trotzdem lernt Emre bei der BBZ Neues kennen, etwa wie vielfältig die Arbeit ist: «In der BBZ gehört viel Gartenarbeit dazu. Das hat mich überrascht. Aber ich bin wetterfest», ergänzt er schmunzelnd. Emre ist gern aktiv – auch in der Freizeit: «Ich brauche viel Bewegung, spiele Fussball und trainiere neuerdings in einem Boxclub. Das ist gut für den Körper aber auch für den Kopf.»

Wie es nach Abschluss des halbjährigen BBZ-Einsatzes weitergeht, formuliert Emre mit spürbarer Zuversicht: «Jetzt schaue ich, dass meine Noten noch besser werden in der Schule. Dann geht es auf die Lehrstellensuche.» Auch wenn es ihm bei der BBZ sehr gut gefällt: Sein Traum führt ihn vielleicht einmal zu den SBB – Logistik reizt ihn besonders.

Emres Beispiel zeigt, wie viel Potenzial sichtbar wird, wenn junge Menschen echte Praxis erleben dürfen – und wenn Erwachsene ihnen Vertrauen schenken. Wir danken Emre für seinen Einsatz und seine Offenheit. Und wir danken dem Team der Technischen Dienste für die Begleitung, die Zeit und das Herzblut, das solche Einsätze erst möglich macht.