Ein Ort, der nach Sommer riecht

An warmen Tagen wie diesen blühen bunte Blumen um die Wette, Tomaten und Zucchetti wachsen in kleinen Hochbeeten, es wird gelacht, gegrillt oder spontan ein Kaffee zusammen getrunken. Zwischen grossen Gartentischen und spielenden Kindern ist eine ganz besondere Nachbarschaft und auch Freundschaft entstanden:

Drei Familien teilen sich hier nicht nur die selbe Strasse, sondern auch Geschichten, Erinnerungen und viele gemeinsame Momente.

Nachbarn und Freunde: Die drei Familien verbringen viel Zeit zusammen.

Ein Garten wie ein zweites Wohnzimmer

Olga (53) und Roger Petermann wohnen heute an der Künzlistrasse 25 – in ihrem «Für-immer-Zuhause». Doch ihre Geschichte in der BBZ begann schon viele Jahrzehnte früher.

Der mittlerweile 60-jährige Roger wurde in die BBZ hineingeboren. Aufgewachsen ist er im Hoffeld 31. Später ging es an die Oberwiesenstrasse 1. Danach folgte ein kurzer Abstecher ins Käferholz – allerdings nicht in eine BBZ-Wohnung. Doch lange blieb er nicht weg. Bereits ein Jahr später zog es ihn wieder zurück in die Stammsiedlung, an den Kieferweg 4.

Dann lernte er seine Frau Olga kennen, die ursprünglich aus Portugal stammt. Seit 35 Jahren sind Olga und Roger nun ein Paar, seit 33 Jahren verheiratet. «Trotz meinen portugiesischen Wurzeln kann ich klar sagen: Die Schweiz ist mein Land. Und vor allem ist die BBZ unser Zuhause.» Besonders schätzen die beiden auch die Gemeinschaft in der Siedlung. Olga erinnert sich gerne an die ersten Gnossifeste, an Risotto- oder Fondue-Plausch im Gemeinschaftsraum, bei denen sie oft mitgekocht und mitgeholfen hat. «Wir finden es wichtig, dass sich die Bewohner*innen am Genossenschaftsleben aktiv beteiligen. Denn genau das macht die BBZ aus.»

Gemeinsam bauten sie sich über die Jahre ihr Familienleben auf. Tochter Vanessa wurde geboren und nach einem weiteren Umzug ins Hoffeld 29 kam Sohn Michel zur Welt. Für Olga und Roger ist es heute ein grosses Glück, dass auch ihre beiden Kinder nach dem Auszug aus dem Elternhaus Wohnungen in der Stammsiedlung gefunden haben. Sie hören sich täglich und sehen sich oft.

«Unser Garten ist unsere Oase», sagt Olga lächelnd. Tatsächlich wirkt ihr Garten wie ein kleines Sommerparadies. Portugiesisches Keramikgeschirr, farbige Vasen, gemütliche Sitzplätze und überall Blumen, Pflanzen und liebevolle Dekorationen. Im Sommer wird der Garten zum Wohnzimmer. Nicht selten sitzen hier bis zu zwanzig Menschen zusammen – Familie, Freunde und Nachbarn. Es wird gegessen, gelacht und bis in den Abend hinein erzählt.

«Such mal eine Siedlung, in der du so viel Ruhe, Natur und Grün hast», sagt Roger. «Es ist einfach ein Paradies.» Im Garten steht ausserdem ein ganz besonderer Ahornbaum. Roger hatte ihn einst gerettet, als ein Nachbar ihn entsorgen wollte. Damals war der Baum noch klein. Beim Umzug an die Künzlistrasse durfte er selbstverständlich mitkommen. Gemeinsam mit BBZ-Gärtner Juliano wurde genau besprochen, wie der Umzug gelingen könnte, damit der Baum keinen Schaden davonträgt. Heute ist der Ahorn über zweieinhalb Meter hoch und spendet angenehmen Schatten.

Direkt neben Olga und Roger wohnen die 34-jährige Lara Stefaniak, ihr Mann Bartosz und der 19 Monate alte Nino. Ihre Geschichte ist eng mit jener der Petermanns verbunden: Olga war früher Laras Tagesmutter. Sie kennt Lara also schon seit ihrer frühsten Kindheit. Heute wohnen die beiden Tür an Tür und sind Freundinnen fürs Leben.

Auch Lara ist in die BBZ-Stammsiedlung hineingeboren und hat ihr ganzes Leben in BBZ-Wohnungen verbracht. Ihr Vater und ihre Grosseltern wohnen noch immer in der Siedlung. Vom Garten aus kann sie ihrem Vater sogar auf dem Balkon zuwinken.

«Es ist wie ein kleines Dorf», erzählt sie lachend. «Wenn ich kurz einkaufen gehe, dauert es manchmal ewig, bis ich wirklich aus der Siedlung draussen bin, weil man überall jemanden trifft und kurz miteinander spricht. Auch einige Leute aus der Schulzeit leben immer noch hier, das ist einfach toll,» findet Lara. «Als mein Mann Bartosz damals aus Frauenfeld zu mir gezogen ist, hat er sich sehr schnell eingelebt. Er sagt, dass er sich noch nie irgendwo so schnell wohl und zugehörig gefühlt hat wie hier.»

Im Garten der kleinen Familie gibt es neben bunten Blumen und Spielmöglichkeiten für Nino auch kleine Hochbeete mit Erdbeeren, Peperoni, Zucchetti und Tomaten. Lara freut sich schon darauf, gemeinsam mit ihrem Sohn auf die erste Ernte. Auch die Palme im Garten hat ihre eigene Geschichte: Sie gehörte ursprünglich Laras Vater, der eine grosse Leidenschaft für Palmen hat. Weil eine davon irgendwann zu gross wurde, zog sie weiter in Laras Garten. Mittlerweile ist die Palme innerhalb der BBZ bereits zweimal umgezogen und sorgt heute für ein kleines Stück Feriengefühl mitten in der Siedlung.

Auch die Grillecke ist schnell zum Treffpunkt geworden. «Seit wir hier eingezogen sind, haben wir aufgerüstet», erzählt Lara schmunzelnd. «Unser kleiner Grill hat sehr schnell nicht mehr ausgereicht, weil wir oft Freunde und Nachbarn zu Besuch haben.» Also musste ein grösserer Grill her. Zusätzlich haben sich Lara und Bartosz eine Plancha angeschafft – eine grosse heisse Grillplatte, auf der inzwischen schon Burger, gebratener Reis und sogar Schnitzel zubereitet wurden. Oft wird spontan gemeinsam gekocht, gegessen und zusammengesessen.

Lara, Bartosz und der kleine Nino lieben ihren Garten und den Zusammenhalt unter ihren Nachbarn.

Kinderlachen und barfuss laufen

Auf der anderen Seite wohnen Iwona und Pascal Böhlen mit ihren Kindern Lionel, Marwin und der kleinen Malia. Pascal engagiert sich mit viel Herzblut im Gnossifest-Organisationskomitee und trägt damit aktiv zum Gemeinschaftsgefühl innerhalb der BBZ bei.

Seit 2017 lebt die Familie in der BBZ, seit 2022 in ihrer Gartenwohnung an der Künzlistrasse. Auch für sie ist der Garten zum Mittelpunkt des Familienlebens geworden. «Die Kinder lieben den Garten», sagt Iwona. «Es ist einfach schön, sie barfuss durchs Gras laufen zu sehen – mit dem Wissen, dass sie hier sicher sind und viel Spass haben.»

Zwischen Blumenbeeten, Gemüse und Spielzeug bewegen sich die Kinder ganz selbstverständlich zwischen den drei Gärten hin und her. Nino verbringt manchmal sogar mehr Zeit im Garten von Iwona und Pascal als im eigenen, weil er so gerne mit den anderen Kindern spielt.

Man kennt sich, hilft sich gegenseitig und verbringt spontan Zeit miteinander. Gleichzeitig hat jede Familie ihren eigenen Bereich und ihren eigenen Garten – und doch wird vieles gemeinsam genutzt und erlebt. «Jeder ist für jeden da», sagt Iwona. «Und genau das macht diesen Ort so besonders.»

Iwona und Pascal mit ihren Kindern Lionel, Marwin und der kleinen Malia.

Schöne Gärten und noch viel mehr

Hier wachsen nicht nur Hortensien, Ahornbäume, Palmen, Erdbeeren und Tomaten. Hier wachsen Erinnerungen, Freundschaften und ein starkes Gefühl von Zuhause und verwurzelt sein.

Zwischen bunten Blumenbeeten, duftenden Kräutern, schattenspendenden Bäumen und langen Sommerabenden zeigt sich an der Künzlistrasse, was Genossenschaftsleben bedeuten kann: Menschen, die einander begegnen, füreinander da sind und gemeinsam einen Ort schaffen, an dem man sich aufgehoben fühlt – über viele Generationen hinweg.

Die Gärten sind dabei weit mehr als einfach nur Grünflächen. Sie sind kleine Oasen voller Leben. Orte, an denen Kinder barfuss und unbeschwert durchs Gras rennen, Nachbarn spontan zusammen grillieren, Geschichten geteilt und neue Erinnerungen geschaffen werden. Und gerade jetzt, wo die ersten richtigen Sommertage vor der Tür stehen, beginnt wieder die schönste Zeit für diese kleinen Gartenparadiese.

Vielleicht inspirieren diese drei Gärten und die Familien Petermann, Stefaniak und Böhlen auch andere Genossenschafter*innen, ihre eigenen Gartenplätze und Balkone neu zu entdecken. Denn oft braucht es gar nicht viel: ein paar Blumen, etwas Gemüse, einen gemütlichen Tisch oder einfach die Freude daran, einen Ort mit Liebe zu gestalten. Die Gärten an der Künzlistrasse zeigen eindrücklich, wie aus einem kleinen Stück Grün ein Ort entstehen kann, der Menschen zusammenbringt und die Gemeinschaft bereichert.

Genau das macht die BBZ aus: Bei uns gibt es nicht nur günstigen Wohnraum für alle, sondern ein Daheim – für viele vielleicht sogar für immer. Und dass zwischen Hortensien, Hochbeeten und Kinderlachen etwas wächst, das weit über schöne Gärten hinausgeht – ein echtes Gefühl von Zusammenhalt.


Wer wohnt denn da?

Wir möchten unseren Bewohner*innen gerne immer wieder Menschen vorstellen, die unsere Genossenschaft bereichern – mit ihren Geschichten, ihrem Engagement oder einfach durch ihre Art zu leben. Kennen Sie Menschen, die unbedingt porträtiert werden sollten? Oder möchten Sie selbst Ihre Geschichte teilen?

Schreiben Sie uns: jennifer [dot] maurer [at] bgbrunnenhof [dot] ch

Text und Fotos: Jennifer Maurer