Die BBZ-Stammsiedlung in Oerlikon wird erneuert. Neuer, moderner Wohnraum soll entstehen, bestehender Wohnraum saniert und die Aussen- und Gemeinschaftsräume weiterentwickelt werden. Nachdem es 2024 im Gemeinschaftsraum eine grosse Ausstellung gab, bei der die Bauvorhaben zum ersten Mal vorgestellt wurden, folgte im letzten Jahr der aktive Einbezug der Bewohner*innen. Im Rahmen von Siedlungsspaziergängen, Workshops und dem offenen Bau-Forum im Gemeinschaftsraum wurden Ideen, Vorstellungen, Wünsche und Erfahrungswissen gesammelt. Im Zentrum standen dabei die gemeinschaftlich genutzten Flächen und Räume.
«Viele der Rückmeldungen waren sehr konkret», erinnert sich Siedlungscoach Sandra Hollenstein. «Für den weiteren Planungsprozess war es aber wichtig, die Vorstellungen zu gruppieren und daraus übergeordnete Kriterien abzuleiten. Mit diesen Kriterien können die Planer*innen dann arbeiten.» Wie bereits bei der Befragung von 2022 erhielten Themen wie Klimaanpassung, Biodiversitätsförderung und niederschwellige Treffpunkte eine sehr breite Zustimmung und wurden deshalb als übergeordnete Planungskriterien bestätigt.
BBZ-Geschäftsführer Michel Nussbaumer gibt weitere Einblicke: «Ein grosser Fokus liegt bei der nächsten Etappe vor allem auf dem Thema Nachhaltigkeit auf allen Ebenen.»
Es wird Auto-arm, primär in Holzbauweise und alles in allem so ressourcenschonend und mit einem so geringen CO2-Ausstoss wie möglich gebaut. Besonders bemerkendwert findet Nussbaumer: «Man könnte die alten Häuser einfach abreissen und neu bauen, das wäre die einfachste und schnellste Lösung. Die BBZ hat sich aber bewusst für die Sanierung der Gebäude entschieden, so dass dadurch auch der CO2-Ausstoss verringert werden kann und dazu die Mietpreise viel günstiger ausfallen als bei einem Neubau.» Er ergänzt: «Zudem können so ganz viele Ressourcen und vor allem der alte Baumbestand erhalten bleiben.»
Festplatz und Ruheorte
In den Gesprächen tauchte aber auch das Bedürfnis nach Rückzug und Ruhe auf. Der zukünftige Festplatz am Kiefernweg bot sich dabei als ruhiger Gegenpol zum lebendigen Zentrum an. Hier – aber auch an anderen Orten in der Siedlung – wünscht man sich geschützte Nischen, wo Erwachsene sich im Schatten zu einem Schwatz treffen können. Dazu gehören auch Orte zum Lesen, Liegen oder einfach zum Beobachten. Die Bilder dazu waren klar: Holz, Bäume, Wasser, Farben, Blumen – eine Atmosphäre, die mehr an Park als an Spielplatz erinnert. Wie der Name bereits sagt, soll hier jeweils das jährliche Gnossifest stattfinden. Dazu sind die notwendigen Infrastrukturen und Anschlüsse mitzudenken. Das geplante Atelierhaus auf dem Festplatz musste indes bereits auf eine spätere Umsetzungsphase verschoben werden, um die finanziellen Vorgaben einzuhalten. Nichtsdestotrotz konnten anhand dieses Möglichkeitsraums viele Nutzungsideen gesammelt werden. Diese gilt es in einem nächsten Schritt gemeinsam zu testen. Dazu aber an anderer Stelle mehr.
Vielseitige Spielräume für Gross und Klein
Spielplatz und Tschuttiwiese gehören zum lebendigen Zentrum der Siedlung. Hier wurden in Zusammenarbeit mit der Fachstelle SpielRaum Ideen von Gross und Klein auf kreative Weise erarbeitet. Der Piratenspielplatz («Pirati») ist für die Beteiligten ein identitätsstiftender Ort und soll erhalten, weiterentwickelt sowie ergänzt werden. Der vielseitig nutzbare Freiraum soll auch weiterhin Platz für Spiele, Zeltnacht oder das Grill & Chill bieten. Neue Elemente für unterschiedliche Altersgruppen sollen entstehen und verschiedene Spiel- und Erlebnisbereiche alle Sinne ansprechen. Gleichzeitig werden Aspekte wie Sicherheit, ausreichend Schatten sowie Begegnungs- und Aufenthaltsmöglichkeiten berücksichtigt.
Der Blick über den Gartenzaun
In direkter Nachbarschaft zu Tschuttiwiese und Piratenspielplatz befindet sich der bestehende Gemeinschaftsgarten. 2022 haben 69 Personen angegeben, dass sie einen Garten in der Siedlung nutzen würden. In Zukunft soll der Garten also auf jeden Fall mehr Platz bieten und flexibel erweitert werden können. Daneben steht die Funktionalität im Zentrum. Regenwasser soll gesammelt werden können, Hochbeete und eine sinnvolle Durchwegung ermöglichen auch weniger mobilen Menschen die Teilhabe und ein Gewächshaus könnte Schutz für zarte Tomatenpflanzen bieten. Im Garten verbindet man sich über das gemeinsame Tun. Sitzplätze und Treffpunkte finden sich vor allem ausserhalb des Gartens. Um diese beiden Bereiche zu verbinden, soll die Umzäunung erneuert werden. Die hohen Hecken sollen einem durchlässigeren Zaun weichen, um Einblicke und Gespräche über den Gartenzaun zu ermöglichen.
Café, Laden, Nutzungsvielfalt
Der Maximarkt ist für viele das Herz der Siedlung und als Begegnungsort nicht wegzudenken. Aber auch hier steht früher oder später eine Veränderung an. Darum stellt sich die Frage, wie eine neue Nutzung die positiven Funktionen erhalten und gleichzeitig noch mehr Menschen ansprechen kann. Manche wünschen sich weiterhin einen Laden, andere ein Café und eine Nutzungsvielfalt mit Raum zum Spielen, Arbeiten, für Kultur und geselliges Zusammensein – fast wie in einem Gemeinschaftszentrum. Um sich diesen Ideen anzunähern, muss die Ladenfläche zusammen mit dem Aussenraum sowie dem Gemeinschaftsraum im heutigen Kindergarten zusammengedacht werden. Beim Gemeinschaftsraum konnte man von den Erfahrungen mit dem bestehenden Raum profitieren. Mit diesem ist man grundsätzlich zufrieden. Verbessert werden soll insbesondere der Bezug zum Aussenraum. Klar ist: das Herz der Siedlung soll weiterschlagen und dafür setzt sich die BBZ ein.
Was bereits in die Planung eingeflossen ist
Alle Ideen und Rückmeldungen wurden zusammengefasst und in eine Kriterienliste für die Planer*innen überführt. «Nicht alles lässt sich eins zu eins umsetzen – sei es aus Kostengründen oder weil es im Betrieb und der Umsetzung schwierig wäre», weiss Sandra. «Unser Ziel war es, die Anliegen so zu übersetzen, dass sie in der Planung trotzdem wirksam bleiben.» Dabei müssen die gemeinschaftlich genutzten Räume immer auch im Bestand weiterentwickelt werden können, damit sie aktuellen Anforderungen gerecht werden. «Wir schaffen die Struktur», sagt Sandra. «Wie die Räume dann tatsächlich genutzt werden können, soll auch in Zukunft durch die Bewohner*innen mitgestaltet werden.»
Die Planer*innen versuchen nun den vielfältigen Anforderungen in ihren Entwürfen gerecht zu werden. Wie gut dies gelungen ist, wird sich beim Infoanlass vor der ausserordentlichen GV zeigen. Dort werden die Pläne vorgestellt und es wird Zeit und Raum für Fragen und Feedback geben.
Für Fragen und Anliegen dürfen Sie sich gerne bei Sandra Hollenstein, Beauftragte Siedlungscoaching und Soziales (→ Mail / 079 649 72 95) oder Michel Nussbaumer, Geschäftsführer (→ Mail /079 819 97 59) melden.